#Tag 27: Entschleunigung

Gestern schrieb ich entspannt darüber, wie ich meine Füße mehrschichtig verarztet habe und heute trifft mich die daraus resultierte Realität mit einem Schlag ins Gesicht. Die Idee und/oder deren Umsetzung meinerseits, war ganz offensichtlich nur mittelmäßig – urteilten meine Füße bis zum Abend.

Die Schaumstoffschicht ist beim wandern unbemerkt verrutscht oder sagen wir besser – sie hat ein wildes Eigenleben entwickelt – und hat mir die Haut zwischen drei Zehen und dem Ballen weggerieben – quasi geraspelt.

Diese kleinen, hinterhältigen Stellen machten es sich zur Aufgabe, mir des Nächtens meinen Schlaf zu rauben – drei Stunden waren mir vergönnt.

Schweigsam, völlig gerädert und gestreckt ging es heute Morgen bei -1 Grad Außentemperatur los. Natürlich unter der Wirkung einer Ibuprofen und dem Dämmschutz durch zwei übereinander getragenen Wandersocken.

Da meine Thermounterwäsche und meine Handschuhe der Gewichtseinsparung zum Opfer gefallen sind, gibt es würdigen Ersatz durch ein Paar Wandersocken auf den Händen.

Wer braucht schon Handschuhe wenn es Wandersocken gibt!

Plan war die Standardstecke mit 26 Kilometer von „Astorga“ nach „Foncebadón“. Der Weg führt weitgehend durch schöne Natur und steigt stetig um insgesamt ca 580 Höhenmeter an. Unter gewöhnlichen Umständen kein Problem.

Gegen Mittag zaubert mir mein Traumhund ein nachhaltiges Lächeln ins Gesicht. Ich sehe ihn schon von weitem – einen „reinrassigen“ Mix 😉 aus 5% Hund und 95% Wolf. Ein „Tschecheslowakischer Wolfshund“ wie aus dem Bilderbuch: menschenscheu, schreckhaft und eigensinnig – ein wunderschönes Exemplar.

Aber am Ende kam es wie es kommen musste. Ich bin stetig immer weiter zurückgefallen und musste nach 20 Kilometern kapitulieren. Auch zahlreiche Pausen haben nichts gebracht. Meine Füße und auch mein Geist haben den Dienst verweigert und so musste ich Maria in „Rabanal del Camino“ erneut ziehen lassen.

Schade, Maria, es war eine schöne und vor allem erlebnisreiche Zeit, aber ich muss jetzt meinen Weg auf meine Bedürfnisse maßschneidern. Ich wünsche dir einen guten weiteren Weg mit vielen, interessanten Gesprächen. Es war schön mit dir zu laufen und wir werden uns auf dem Camino wiedersehen. Adois!

Schade auch, da der steile Anstieg des bevorstehenden Berges üblicher Weise in zwei Etappen stattfindet – sicherlich nicht ohne Grund. Durch meine Entschleunigung wird eine Tagestour daraus. Wir dürfen gespannt sein, was der morgige Tag mit -4 Grad bringt. Buen Camino!

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