#Tag 32: Täglich grüßt das Murmeltier

Die Nacht war unruhig, da eine Dame neben mir permanent in Schlaf gesprochen hat – leider auf Spanisch, denn mich hätte es brennend interessiert was sie die ganze Nacht verneint hat – auf der anderen Seite schlief ein Mann tiefenentspannt auf seinem Telefon und rief ganze Nacht versehentlich Leute an. Diese waren wenig erfreut und schimpften empört über die wortkarge Störung seinerseits ins Telefon – er nicht, aber ich konnte sie hören. Untermalt wurde das außergewöhnliche Szenario durch monotones Rascheln mit Tüten, Fürzen, Seufzern, Schnarchen und das umherwandern einiger Gestalten.

Nun wir sind in „Galicia“ und hier gibt es bis nach Santiago städtische Herbergen für nur 8,- Euro die Nacht … der Preis ist heiß und wir nähern uns dem Finale. D.h. immer mehr Kurzstrecken oder Pilger nach dem Minimalprinzip springen auf den Jakobsweg auf.

Schon in zwei Tagen breche ich die letzten 100 Kilometer an und man hört von Pilgergruppen zwischen 100 und 200 Personen die sich der Urkunde wegen auf den Pfad machen. Wir dürfen gespannt sein, denn diese letzten Tage werden sicherlich sehr anders erlebnisreich sein.

Siegerstimmung – nur noch 140 Kilometer bis nach „Santiago de Compostela“

James und ich verlassen mit inzwischen ca. 40 Personen (die Pilgeranzahl steigt sprunghaft) gefüllten Schlafsaal gemeinsam und laufen bis zum Frühstück nebeneinander her.

Und da ist es wieder das Murmeltier: Kaum ist die Herausforderung (der Bergstieg gestern) gemeistert, stellt sich der Körper auf Entspannung ein. Das kennen wir schon und so wundert es mich wenig, das meine Beine entsetzt sind als es kleine, jedoch sehr steile Zwischenetappen zu erklimmen gilt. Aber das macht nichts, meine Beine, Füße und ich gehen trotzdem gemeinsam weiter.

Ich denke darüber nach was die 72-Jährige Dame aus Wien gesagt hatte. Auch sie hat auf dem Jakobsweg Höhen und Tiefen – gute und schlechte Tage – und immer wenn ihr etwas fehlt, gönnt sie sich eine Auszeit für ihren Geist. Und ja, die Innere Ruhe zu finden ist essentiell.

Ich mache also ausreichend Pausen und geniese das schöne Wetter und die tolle Aussicht. Ich laufe wieder viel alleine und geniese die Zeit mit mir selbst und finde meine Ruhe. Hin und wieder höre ich über meine Kopfhörer etwas Musik und singe die Lieder der Toten Hosen lauthals in die Bergwelt hinein. Der einzige der mich hört sind die Kühe, die schauen verstört auf, wundern sich über den Möchtegern-Campino und sind sicherlich froh wenn ich außer Hörweite bin. Es war ein wundervoller Tag!

Aufgrund des ähnlichen Bartes werden wir stets als Brüder wahrgenommen – yeahhh bro!

Wie man sieht wird die Landschaft in der Ferne zunehmend flacher. Ganz am Horizont müsste „Santiago de Compostela“ sein – sagt mir Google. Vamos – nur noch 140 Kilometer bis zur Kathedrale.

Am Horizont liegt das Ziel meiner Wanderung. Dahinter Finistera und das Meer 🤍

Gegen Nachmittag geht es 360 Höhenmeter bergab. Das geht – natürlich – wieder auf meine Wasserblasen und entsprechend sehen die Füße aus.

In der Herberge werden die Füße nach dem Duschen desinfiziert und anschließend wird mit einer neuen Spritze die Flüssigkeit entzogen. Dann folgt wieder die Injektion eines Antiseptikums um sie auszutrocknen.

James – mit dem ich mir heute wieder ein Herbergszimmer teile – flüchtet bei meinem Gewerk mit der Spritze in den Garten. Er meint vermutlich, der Anblick müsse nicht sein.

Zum Schluss des Tages noch drei sehenswerte Videos. In diesem Sinne – Buen Camino!

Zweikampf – Stier vs. Hund!
Sehr freundliche Spanier auf weißem Sauerbraten, garniert mit französischen Kappen. Spaß bei Seite, die Spanier sind wirklich äußerst freundliche und ehrhafte Menschen.
Schmetterlinge tanzen salsa – wunderschön ♥️

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