#Tag 5: out of order

Meine Blasen fühlen sich bei mir sichtlich wohl. Sie sind bestens genährt und sie stehen im Saft wie eine frisch gefüllte Maultasche in ihrer Suppe. So verzieren sie nun fast meine gesamten Füße. Auch schön, hat man ja nicht alle Tage.

Nach unserem leckeren Abendessen – Pferde-Burger mit Wein – habe ich mich gestern Abend an den Tipp des Apothekers gemacht und das Werkzeug zur Öffnung angesetzt. Soweit erfolgreich, bis ich mich an die Ballen machte. Die Blasen an den Ballen haben sich strategisch perfekt platziert und sitzen so tief versteckt in ihrer Festung, dass sie nach meiner Arbeit lediglich durch kleine, oberflächliche Schnitte verziert scheinen.

Anders formuliert, habe ich jetzt nicht nur Blasen die auf den steinigen Wegen, die wie Wackelpudding glibbern. Sondern auch noch offene Stellen, die sich gerne hinzuschalten und mich darauf aufmerksam machen, dass meine Füße eine Pause wünschen.

Heute Morgen habe ich eine Diclofenac zur Verteidigung eingesetzt und wir sind los gewandert. Ziel waren 21,9 km und natürlich machten sich meine neuen Freunde alsbald möglich bemerkbar. Als Verstärkung haben sie meinen Rückenmuskeln hinzugeschaltet und sie alle zusammen konnten mir erfolgreich den Spaß nehmen.

So wanderte ich mit wirklich schlechter Laune vor mich hin und nach nur 5 km mussten wir eine Pause machen. Wie fanden eine geöffnete Bar gefüllt mit einheimischen Männern die alle Wein tranken und haben einen Eier-Kartoffelauflauf gegessen. Wer mich kennt weiß, das Nudeln besser gewesen wären. Aber es hat dennoch außergewöhnlich gut geschmeckt.

Jessica und Sillian sind nach dem Essen verschwunden und kamen mit einer Aufheiterung in Form von zwei leckeren – von mir geliebten – Monster-Energy-Dosen zurück – ist das nicht wundervoll ❤️❤️❤️? Ich habe mich wie ein kleines Kind gefreut!

Damit konnte es weitergehen.

Die Füße und der Rücken waren zunächst freundlich gestimmt. Das Pferd vom Vortag in meinem Magen hat aber am Ende auch nicht geholfen – der Körper siegt – und nach etwas mehr als die Hälfte der Strecke meiner Wanderung musste ich das Handtuch werfen. Ich bin in ein Taxi gestiegen und in die Herberge gefahren.

Ich habe in der Herberge mit vielen Leuten über deren Erfahrung gesprochen. Manche von ihnen empfehlen sie zu Bandagieren und zu ignorieren, andere sagen man solle eine Woche Auszeit nehmen.

Wie es weiter geht? Keine Ahnung. Vielleicht suche ich einen Arzt auf, vielleicht laufe ich langsamer weiter, vielleicht muss ich mich von unserer Gemeinschaft trennen … das wäre sehr schade.

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