Tag 9: Zum Frühstück eine Prise Fremdreflektion gepaart mit Wasserblasenbehandlung

Das Symbol der Jakobsmuscheln kennzeichnet den Weg (die verjüngte Seite ist die Laufrichtung) und stammt vom heiligen Jakobus, dessen Gebeine in Santiago di Compostela ruhen. Er trug stets eine Jakobsmuschel am Hut und Gürtel – quasi sein Markenzeichen.

Maria ist jetzt seit 8:30 Uhr zurück auf unserem Jakobsweg und folgt den Jakobsmuscheln mit ihrem Herzen und ihrem Glauben. Ich wünsche dir viel Erfolg!

Ich sitze dagegen um 9:30 im Speisezimmer des Hotels zum Frühstück (draußen gewittert es und regnet in Strömen) und gönne mir leckeres Rührei mit Speck, Seranoschinken und als Butterersatz gibt es „Bruschetta“ mit Olivenöl. Letzteres ist übrigens eine wesentliche Verbesserung zur herkömmlichen Frühstückserfahrung. Dazu gibt es sechsfachen Espresso und frischgepressten Orangensaft.

Als Alternative zur Butter gibt es in Spanien Bruschetta und Olivenöl- Wahnsinn!

Ich geniese es, ohne Sorge eine Unmenge an Kalorien aufzunehmen, da ich ab morgen wieder 3.000 Kalorien auf dem Weg verbrennen möchte. Ist das nicht schön?

1. Fremdreflektion

Ganz alleine beim Frühstück bleibt die Zeit, den persönlichen Gedanken freien Lauf zu lassen (nicht nur beim Frühstück). Der Camino dient der Selbsterfahrung und dazu seine innere Stimme zu schärfen, seine Grenzen zu erfahren, neue Optionen zu entdecken und Perspektiven zu schaffen. Dabei geht es auch um Fremdwahrnehmung und die persönlichen Stärken. Ich hatte gestern Abend die Idee die Pilgerfamilie zu fragen, ob wir jeweils eine Profilbeschreibung von den anderen machen sollen, sprich mit welchem Mehrwert haben wir die Gruppe ergänzt?

Mein Beitrag zur Gruppe war demnach die Inspiration, Überzeugungskraft, Aufmerksamkeit und Motivation durch meine Hartnäckigkeit (60 km mit großen Blasen). Besonders freut mich das Feedback, dass ich mit meinen „Gedanken und Denkanstößen“ meine Mitstreiter dazu angeregt habe, aus verschiedenen Perspektiven über das eigene Leben nachzudenken und gemeinsam über das Leben zu lachen. Sie sagen „mit meinem Weitblick habe ich geholfen, eine wunderbare Welt zu entdecken“ und die „Familie“ mit meiner Art „integriert“ habe und genau das ist es, was ich mit meiner potentiellen Selbständigkeit erreichen möchte. 

Ich möchte mit SOLSUC anderen Unternehmen helfen, neue Potentiale zu erschließen und die Mitarbeiter als hoch motivierte, reflektierte agile Teams zusammenzufügen, die Spaß an ihrem Einsatz haben und damit echte Mehrwerte fürs Unternehmen schaffen. Das passt schon mal!

Ich selbst habe von unserer „Pilgrim Familia“ aber auch gelernt, dass ein Selbständiger „always on“ bedeuten kann. Es gibt kein Geld, wenn man nicht aktiv ist und die Nachfrage bestimmt den Einsatzzeitpunkt. Ich sehe hier das Risiko für mich, dass ich womöglich durch meine hohe Motivation/ Einsatzbereitschaft kein Ende finden werde. Auf ein Ausgewogenes „Work-Life-Banance“ muss ich wohl besonders achten!

Jetzt aber geht es erst mal zurück ins Hotelzimmer, ab aufs Bett mit dem Ziel die Heilung meiner Blasen zu begünstigen. Ich habe Zeit und schaue in die Socialmedia Kanäle … und siehe da …

2. Wie behandelt man Blasen auf dem Camino Francés?

Mein Blog hilft mir, nachdem ich ihn vorgestern in einer deutschsprachigen Facebookgruppe zum Thema „Camino Francés“ publiziert habe. Die unbekannten Mitleser kommentieren meinen Beitrag und ich bekomme ungefragt viele wertvolle Tipps zum Umgang mit Blasen. Ist das nicht toll? An dieser Stelle mein dickes Dankeschön an alle – insbesondere an Heidi T. T. aus Spanien!

Da ich nicht der einzige Pilger bin, mit diesem Problem, fasse ich die Ergebnisse nachfolgend zusammen (natürlich ohne Gewähr). Ich markiere die Wörter fett, die zusammen eine Einkaufsliste ergeben.

Nylonstrümpfe beugen Blasenbildung vor, da sie die Reibung zwischen Socken und Füß minimieren.
a. Blasen vorbeugen: 
man trägt Nylonsocken unter den Wanderstrümpfen gegen unnötige Reibung, stabilisiert die Haut an gereizten Stellen mit Kinesiologie-Tape bzw. „Omnifix“ von Hoffer.

Spürt man Reibung am Fuß, zieht man zwei Paar Socken über einander und reduziert damit das Blasenrisiko erheblich. Am besten fixiert man die Stelle noch präventiv mit Omnifix - in mehreren Lagen.

Vor dem Wandern cremt man sich seine Füße mir Hirschtalg ein. Das reduziert die Reibung zusätzlich. Und wenn ein Fuß zwackt sofort nachsehen, ggf. Mull bzw ein mullpföaster mit Omnifix über der leicht geröteten Stelle fixieren. Auch ein weißes Tape von Decathlon eignet sich bestens. Es wird einfach auf die gereizte Stelle aufgeklebt, solange noch keine Wasserblase sichtbar ist.

Die Füße müssen während dem wandern trocken sein - das vermeidet Wasserblasen. Dazu trägt man am besten Merino Socken und gönnt den Füßen bei jeder Pause frische Luft. In extremen Fällen tauscht man die Strümpfe mehrfach am Tag aus.

Die Schuhe müssen für sehr große Wanderstrecken (wie den Camino Francés) um 1,5 Größen größer gekauft werden, da die Füße stark anwachsen. Misst, meine sind nur 0,5 Größer!

Anleitung zum Schuhebinden: Wanderschuhe richtig schnüren. Die richtige Schnürtechnik entlastet den Fuß individuell und sorgt für festen Sitz zur Blasenprävention.
b. Behandlung geschlossener Blasen: 
Vorhandene Blasen schont man mit einem Lochpflaster (Lebewohl Druckschutzringe Oval - davon zwei übereinander und/oder Gehwol Schutzpflaster dick, 4 St) und schafft damit ausreichend Abstand zwischen Schuh und Blase - dann kann man weiterwandern! Blasenpflaster von Compeed sind laut einheitlicher Meinung reines Gift (nicht repräsentativ), da sie die Haut aufweichen und die Blase beim wandern vergrößern. Gut dass die Apotheke gestern geschlossen hatte und ich keine nachkaufen konnte! Gefüllte Blasen die nicht entzündet sind, behandelt man wie folgt: Blase ausreichend desinfizieren, mit einer Spritze durch die angehobene Haut stechen und die Flüssigkeit entziehen, dann in die Spritze „Betadine“ aufziehen und durch das gleiche Loch in die Blase spritzen (sodass sich die offene Haut unter der abgehobenen Haut verschließt). Zum austrocknen der Blasen trägt man Mercromina in rot auf, ein antiseptisches Mittel, das wirklich innerhalb eines Tages die Blase trockenlegt. Auf keinen Fall sollte man die abgehobene Haut entfernen (Entzündungsrisiko)!!! Alles desinfizieren, danach die Blase mit „Blastoestimulina“ (oder der Creme aus Fromista (s.u.)) einschmieren, Wundauflage von Cosmopor E drauf und fest zukleben mit Omnifix, fertig!

WICHTIG: Blutblasen müssen steril gehalten werden. Sie dürfen nicht manuell geöffnet werden. Am Besten damit zum Gesundheitszentrum, doer gibts dann Schoner um weiterzuwandern.
c. Offene Blasen und entzündete Blasen 
werden ebenfalls mit „Blastoestimulina Pomada al 1%“ versorgt. Man sollte aber auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen.

Zum Schluß gibt es zu den vielen anderen Empfehlungen noch zwei Geheimtipps.

Erstens: der Apotheker Juan Ramón Rodríguez MedinaAv. del Ingeniero Rivera, 21, 34440 Frómista, Palencia der eigene Wundersalbe gegen Blasen am Fuß hergestellt.

Zweitens: sobald die Blasen eine erste Schutzschicht haben, die das rohe Fleisch bedeckt, kann man jeden Abend ein Fußbad mit lauwarmen Wasser und einem Spritzer Essig machen (wirkt desinfizierend). Dazu gibt es eine große Brise Salz (trocknet die Blase aus)! Nach dem Fußbad soll man die Füße an der Luft trocknen lassen. Man sagt, dass die Blasen dadurch sehr schnell verheilen.
Schaumstoff Fersenschutz. Das entupuppt sich bei mir als Wunderwaffe. Denn mit diesem kann ich seit Tagen trotz großer Blasen erstmals wieder schmerzfrei weiterwandern.

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