#Tag 3: Der Feind des Fortschritts ist die Gewohnheit

Der Start in den dritten Tag war perfekt. Gut und lange geschlafen und dann gab es zum Frühstück reichlich Nudelsuppe und Fruchtsalat vom Vorabend. Was kann es besseres geben?

Heute war laut Plan der einfachste Tag seit Sonntag. Nur 21km nach Pamplona mit unwesentlichen Steigerungen. Nach dem erfolgreichem Tag gestern, sollte das machbar sein. Oder?

Leider nein, denn diese entspannte Grundeinstellung (ich dachte mein Körper hat sich bereits an das Wandern gewöhnt) hat meinen Körper offensichtlich auf Komfortzone „Sofa“ umprogrammiert. Denn bereits wenige Meter nach dem Verlassen der Herberge (im strömenden Regen) schmerzte der Rücken fast unerträglich. Und das sollte noch eine Weile bleiben.

Kurz vor der Aufgabe des Tourabschnittes und damit auch den Ausstieg aus unserer Gemeinschaft, entschieden wir uns einen Kaffee zu trinken und zu sehen wie sich der Schmerz entwickelt.

Das erste Café hatte aufgrund von Hochwasserschäden geschlossen und man versicherte uns, nach nur vier weiteren Kilometern ein leckeres Kaffee vorzufinden. Die Entfernung betrug jedoch stolze 7km und auch dieses Café hatte keine Lust auf Gäste. Eine Dame die unsere Frustration bemerkte, berichtete uns einer nahegelegenen Stadt, mit einem wirklich guten Kaffee. Aber auch dieses war im temporären Ruhestand und so kam es, dass ich trotz meiner Rückenschmerzen das Ziel erreichte und kurz davor mit einem Bier belohnt wurde. Danke – Camino Francés

Die Stadt Pamplona ist übrigends bekannt für die im Juli stattfindenden Stierläufe wo die Stiere von brunftgetriebenen und übermutigen Läufern durch die Straßen getrieben werden. Wir konnten weder übermutige Jünglinge noch freilaufende Stiere sehen. So sind wir sicher und zufrieden aber spät (20:00 Uhr) in der „Albergue Almagne“ gelandet.

In der Herberge wurden wir sehr freundlich von den deutschen Herbergsmüttern aus der Partnerstadt Paderborn empfangen und mussten uns erneut an eine 22:00 Uhr Regelung halten. Dieses Mal jedoch ohne Nachtwächter und gregorianische Schreckensmusik am Morgen. Gegen ein kleines Entgelt hat man uns die Wäsche gewaschen und getrocknet – während wir im Restaurant „Irunr“ königlich schlemmten, das Ernest Hemingway schätzte.

Fazit des Tages:

1. Habe stets Respekt vor den unspektakulären Dingen - sie bergen unerwartete Herausforderungen. 

2. Kleine Belohnungen zwischendurch sind die beste Motivation, sollten dosiert aber ausgiebig sein.

3. Verlasse dich niemals auf potentiell existente Lokalitäten oder geschätzte Entfernungen, es sei denn du willst dich damit erfolgreich (mit einer weiteren Blase) bis zum Ziel „durchmogeln“.

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