#Tag 38: das Ende ist ein Neuanfang

Heute ging es 15 kleine Kilometer weiter – von „As Quintas (Burres)“ nach „O Pedrouzo“.

Auch wenn ich noch gerne bei Heidi und Rolf geblieben wäre, um die interessanten und klärendenden Gespräche fortzuführen. Aber der Zeitplan lässt es nicht zu, denn gestern hat sich ggf. ein weiteres nachgelagertes oder alternatives Wanderziel in die Reihe eingeschlichen.

Heidi, Rolf und ich verabschieden uns und sagen auf „Wiedersehen“, denn wir werden uns ganz sicher wieder treffen. Zum Abschied stellt sie mir noch eine sehr positive und spannende Frage über meine Persönlichkeit – Bummmmmmm! Die sitzt, und soll meine Aufgabe für die nächsten Tage sein.

Ich handhabe es mit dem Camino wie mit einer Weißwurst – „nach Zwölf ist vor Zwölf.“ Ich werde dazu jeden Meter morgen und vor allem bei meinen 4 Tagen ans Meer und nach dem Camino auskosten.

Ihr werdet euch wundern, denn ich habe auf dem ganzen Weg heute nur ein Foto gemacht – und das ist hässlich. Es hat geregnet und es war einfach unspektakulär und so hat mich heute nichts bewegt, das ist auch in Ordnung.

Ich bin sehr gespannt wie es morgen wird. Denn Morgen komme ich nach 19 Kilometern zum physischen Ziel meiner Reise – der Kathedrale in „Santiago de Compostela“. Ausnahmsweise habe ich wegen der Osterprozession vorab gebucht – das habe ich schon lange nicht mehr – und mir für 22 Euro ein Einzelzimmer in einer Herberge gegönnt.

Die Geschichten, dass alle Herbergen wegen Ostern ausgebucht seien und dass die Zimmer bis zu 250 Euro die Nacht kosten, haben sich nicht bestätigt. Gut, dass ich ruhig geblieben bin und meinen Weg nur am Anfang und ganz am Schluss einen Tag vorausgeplant habe. Viele andere Pilger haben seit langem die letzten fünf Tage gebucht und sich in ein unflexibles, zeitliches Gerüst gezwängt. In diesem Fall habe ich meinem Glück vertraut und behalte Recht.

Nach meiner Ankunft in „Santiago de Compostela“ möchte ich ein Resümee ziehen, wenn ihr Fragen über meinen Weg habt, dann könnt ihr sie mir gerne über WhatsApp mitteilen. Ich freue mich darauf!

Nun eine Portion Statistik-Resumé zu meinem Camino Francés

So schnell geht es vorüber und es fühlt sich nicht so an. Ich werde morgen Abend über 800 Kilometer zurückgelegt haben. Das entspricht in etwa der Strecke von Alsdorf nach Usedom.

Dabei habe ich mich ca. 13.822 Höhenmeter nach oben geschwitzt und mir mit 13.745 Höhenmeter beim Abstieg Blasen gelaufen – kein Wunder. Ich bin die letzten 5,5 Wochen im Schnitt täglich 20 Kilometer gelaufen und habe mir insgesamt 4 Tage Rast gegönnt – zwei davon habe ich zur Schonung meiner Füße im Bett verbracht.

Auf meinem „Camino Francés“ gab es drei herausfordernde Bergstiege und ich hatte eine Grenzerfahrung – am ersten Tag – als mein Körper den Energieverbrauch fokussierte und meine Augen nur noch das Wesentliche im Zentrum des Sehfeldes fixieren konnten und ich die letzten Kilometer mit einem Tunnelblick gelaufen bin. Das werde ich wohl niemals vergessen.

Dreimal dachte ich, ich müsse wegen gesundheitlicher Probleme aufgeben. Aber es ging immer weiter – Schritt für Schritt – und natürlich auch dank der Medikamente.

An den 38 Tagen war ich sieben mal in der Apotheke, habe mindestens 140 Pflaster mit ca. 15 Meter Omnifix Klebeband fixiert, war 4x in der Ambulanz und habe 1,5 Packungen Ibuprofen 400 verbraucht. Mein Magen wird froh sein – wenn es wieder nach Hause geht.

Ich habe aufgrund fehlender/defekter Internetzugänge in den Herbergen fast 16 Gigabyte an Datenvolumen verbraucht und hatte auf dem ganzen Weg nur für eine einzige Stunde kein Netz. Der Standard ist hier 5G oder 4G und das überall, an einem einzigen Ort – gestern bei Heidi – hatte ich 3G. Und da darf nicht unerwähnt bleiben, was für ein Entwicklungsland unser Deutschland ist – die Netwerkqualität ist mitten in tiefsten, spanischen Wäldern um ein vielfaches besser als in den meisten Städten in Deutschland – traurig.

Wie geht es weiter?

Aber ihr kennt es: das Ende ist stets ein Neuanfang.

Und dazu geht es übermorgen weiter nach „Muxia“ mit 82 weiteren Kilometern (4 Tage) und/oder von dort zu „Finisterra“ (114 Kilometer gesamt).

Dann einen Rückreisetag mit dem Bus und am nächsten Tag geht es ab ins Flugzeug – zurück zu meiner besten Familie der Welt. Ich freue mich drauf ♥️.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.